Erding strebt größtes Geowärmeprojekt in Deutschland an
Der Geowärmezweckverband und die Steag Saar Energie AG haben gestern die Ausweitung des Geowärmeprojekts in Erding vertraglich besiegelt. Geplant sind in den nächsten Jahren Investitionen in Höhe von 18,7 Millionen Euro, unter anderem für den Bau eines neuen Heizwerks. Im Endausbau, der voraussichtlich im Jahr 2024 erreicht ist, wird das Erdinger Projekt das größte Deutschlands sein.
Artikel aus der Erdinger SZ vom 10. Februar 2006 Das neue Geoheizwerk, das im neuen Gewerbegebiet Erding-West entstehen wird, soll bereits von 2007 an betriebsbereit sein. Geplant ist im Endausbau eine Wärmeerzeugung von 59 000 Megawattstunden pro Jahr. Dies entspräche der Versorgung von rund 3300 Einfamilienhaushalten. Vom bestehenden Kraftwerk werden derzeit bereits etwa 2000 Haushalte und darüber hinaus etliche landkreiseigene und städtische Gebäude wie Schulen und das Landratsamt versorgt. Die neue Anlage soll unter anderem zwei bestehende und das gplante neue Gewerbegebiet sowie zwei neue Wohngebiete mit Wärme beliefern. Nötig wird neben dem Bau des Kraftwerks auch eine weitere Bohrung sein. Aus dieser Bohrung wird allerdings kein Wasser entnommen. Es handelt sich um eine so genannte "Reinjektionsbohrung": Nach der thermischen Nutzung wird das Wasser dort wieder im Boden verpresst. Das Fernwärmenetz soll von 15 auf 38 Kilometer ausgeweitet werden. "Mehr, als wir Radwege haben im Landkreis", stellte Landrat Martin Bayerstorfer, der auch Vorsitzender des Geowärmezweckverbands ist, bei der Vertragsunterzeichnung gestern fest. Der Geowärmezweckverband ist Eigentümer und Investor der Geothermieanlage. Planung, Bau und Betrieb liegen bei der in Saarbrücken ansässigen Steag Saar Energie AG. Beide Vertragspartner lobten die Entscheidung von Stadt und Landkreis, in die Nutzung der Geothermie einzusteigen, als "richtungsweisend". Man habe sich für diese Art der Wärmegewinnung entschieden, "als noch kaum einer daran geglaubt hat", sagt Landrat Martin Bayerstorfer. Wie Erdings Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind unterstrich auch Bayerstorfer, dass man sich durch die ständig steigenden Preise für Erdöl und Erdgas nun bestätigt sehe. Darüber hinaus nütze die Geothermie auch der Umwelt und verringere den Ausstoß vom Emissionen: Allein durch das erste Erdinger Geothermiewerk werde der Ausstoß von 6000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden. Der ökologische Aspekt sei manchen Nutzern auch besonders wichtig, so Bauernfeind. Um die Geothermieversorgung der Stadt noch weiter auszubauen als bisher geplant, wäre eine zweite Förderbohrung erforderlich, die - neben dem Bau eines Kurparks - auch Voraussetzung für eine Erhebung der Stadt zum "Bad Erding" wäre. Dies strebe man aber derzeit nicht an, so Bauernfeind. "Für mich persönlich ist der Name Bad eher antiquiert. Der Glanz dieser Bezeichnung ist inzwischen verblasst."
Geowärmeprojekt erwirtschaftet 20 000 Euro Gewinn
Artikel aus der Erdinger SZ vom 07. Dezember 2005 Das Geowärmeprojekt in Erding entwickelt sich nach Angaben von Alois Gabauer "sehr erfreulich". Das Betriebsergebnis kann nach Berechnung des Geschäftsführers des Geowärmezweckverbands im Jahr 2006 erneut verbessert werden, erstmals ist ein Jahresgewinn von 20 000 Euro zu erwarten. Positiv wirkt sich aus, dass nun endlich auch Trinkwasser an die Stadtwerke verkauft werden kann, sagte Gabauer bei einer Verbandsversammlung des Zweckverbands für Geowärme am Montagabend. Geplant war die Einspeisung des Wassers ins Wasserwerk Erding eigentlich schon länger. Um aus dem Thermalwasser Trinkwasser zu machen, war allerdings zunächst der Einbau einer Ultra-/Membran- filtrationsanlage nötig. Zwar hat das Wasser eigentlich ohnehin Trinkwasserqualität. Weil aber bei den hohen Wassertemperaturen leichter Keime entstehen als in kühlem Wasser, wollte man sicherheitshalber auf die zusätzliche Filteranlage nicht verzichten. Der Probebetrieb für die Trinkwassereinspeisung begann Anfang November, in den nächsten Tagen soll die Anlage laut Alois Gabauer in den Regelbetrieb gehen. Die Erdwärmenutzung ist in Erding nach Angaben des Geschäftsführers des Geowärmezweckverbands noch lange nicht ausgereizt. Gerade die jüngsten Öl- und Gaspreissteigerungen haben die Nachfrage nach Geowärme ansteigen lassen, da hier die Preissteigerungen deutlich geringer ausfallen. Daher sei eine höhere Thermalwasserförderung durchaus "wünschenswert und wirtschaftlich sinnvoll". Unter anderem will man sich um Netzverdichtungen entlang der Hauptverbindungsleitungen bemühen und neue Bebauungspläne auf einen sinnvollen Geowärmeeinsatz hin untersuchen. Mittelfristig wird man an einer zweiten Geothermiebohrung aber voraussichtlich nicht vorbei kommen. Wie berichtet, ist es geplant, dies an einem neuen Standort im Westen Erdings durchzuführen und dort auch ein neues Heizwerk zu bauen. Bis 2024 ist es geplant, für die Erweiterung des Projekts 18,7 Millionen Euro in den Bereich Fernwärme und 3,7 Millionen Euro in den Bereich Geothermie zu investieren. Dies bedeutet allerdings auch, dass die Schulden weiter steigen. Sollten alle Projekte so realisiert werden wie geplant, so erhöht sich der Schuldenstand des Zweckverbands für Geowärme im kommenden Jahr um 5,9 Millionen Euro und liegt dann bei insgesamt 24,5 Millionen.