Artikel aus der Sonderbeilage der Erdinger SZ vom 04.November 2005 Es gibt einen einfachen Gradmesser für die Anziehungskraft, die eine kleine Stadt wie Erding auf große Handelsketten ausübt: der Grad der Filialisierung. Je mehr Handelsketten sich mit einer Filiale niederlassen wollen, als desto attraktiver hat die Stadt zu gelten. In den vergangenen Jahren hat Erding in dieser Konkurrenz bereits kräftig aufgeholt, nun folgt ein weiterer Schritt: Im Gewerbegebiet Erding-West an der Umgehungsstraße lassen sich unter anderem Möbel-, Teppich-, Autoteile- und Zoohändler nieder und sorgen für neue Sogkraft.
Nicht zu Lasten der Innenstadt Sechs Häuser auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern, dazu 1000 Parkplätze und ein Fast-Food-Restaurant: Das neue Einkaufszentrum wird Kundenströme in einem weiten Umkreis umlenken. Auch Getränke, Elektroartikel und Fahrräder werden dort zu kaufen sein. Mit der Zustimmung des Stadtrates zu diesem Gewerbegebiet hat die Stadt ihre jahrelange Zurückhaltung aufgegeben. Zwar soll die Entwicklung auch weiterhin nicht zu Lasten der Händler in der Innenstadt gehen, darauf legen Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind und der Erdinger Stadtrat großen Wert. Dennoch ist für die Kommunalpolitik nun die Zeit gekommen, die Kaufkraft der Bürger zurückzuholen, die in immer stärkerem Ausmaß in Richtung Freising und Ladshut abgewandert ist. Glaubhaft wusste Bürgermeister Bauernfeind zu berichten, dass er bei seinen ausgedehnten Radltouren selbst in Augenschein genommen hat, wie viele Autos mit Erdinger Kennzeichen auf den Parkplätzen der Einkaufsmärkte rund um den Landkreis Erding stehen - während ihre Besitzer dort ihr Geld ausgeben. Wer allerdings ein entspanntes Einkaufserlebnis in gehobenem Ambiente sucht, der ist in der Innenstadt Erdings richtig. Hübsch ist die sanierte Altstadt, attraktiv das Veranstaltungsprogramm und interessant das Angebot des Einzelhandels. Damit dies auch so bleibt, sucht die Politik die Zusammenarbeit mit Fachleuten wie Professor Günther Heinritz, dessen Einzelhandelsgutachten mittlerweile schon in erneuerter Fassung vorliegt. Er hat eine Liste erarbeitet mit Waren , die auf der Grünen Wiese nicht verkauft werden dürfen - zum Schutze der Innenstadt. Dazu gehören Schuhe, Haushaltswaren und Kleidung. Auch wer sich ein neues exklusives Parfüm leisten möchte, soll sein Geld auch künftig in die Innenstadt tragen.
Innenstadt als Gegengewicht Ob bunt bedruckte Schachteln, ob Bauchnabelpiercing oder Dessous: Der innerstädtische Einzelhandel kann auch einige ausgefallene Kundenbedürfnisse befriedigen - und setzt damit ein kräftiges Gegengewicht zu den Einkaufsmärkten, die im Westen entstehen. Im kommenden Frühjahr rücken dort schon die Bagger an. Die Zusammenarbeit mit dem Bauträger Georg Scharl, der die Flächen im neuen Gewerbegebiet vermarktet, und der Stadt Erding geht reibungslos vonstatten, ist zu hören. Bei der Vergabe der Grundstücke an die Handelsriesen halte man sich an die Vorgaben des Einzelhandelsgutachtens, lobt auch Professor Heinritz. Das rekordverdächtige Tempo, mit dem die Verhandlungen vorangetrieben werden, zeigt, welchen Stellenwert das Projekt bei Politik und Verwaltung hat. Für die Geschäftsinhaber in der Innenstadt heißt es, auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen und die Kunden zu einem Abstecher in die schöne Innenstadt zu verleiten. Wie man mit einer ungewöhnlichen Veranstaltung Menschen anlockt, macht die Interessensvertretung Ardeo der Einzelhändler vor: Vom 4. November an herrscht in Erding wieder Eiszeit. Auf einer Eisfläche auf dem Schrannenplatz darf kostenlos Schlittschuh gelaufen werden. Und genügend Zeit für einen Einkaufsbummel bleibt auch noch.
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